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Storyteller | Andy Fallon

Mit Kamera auf Whisky-Tour

Er war vierzehn Jahre alt und ein Bewunderer von Patrick Lichfield. Der berühmte Promifotograf und Cousin der Queen schrieb in der britischen Presse eine Artikelreihe mit dem Titel „How to become a photographer“ (der Weg zum Fotografen) und der junge Andy Fallon war hellauf begeistert.

Schon früh hatte Fallon damit begonnen, Fotografien aus Zeitschriften, von denen er besonders beeindruckt war, in Alben zu sammeln, doch es war Lichfield, der seine Seele berührte und ihn dazu anregte, über ein Leben als professioneller Fotograf nachzudenken.

„Ich war noch ein Kind und suchte mir einen Teilzeitjob – Kartoffeln schälen in einem Restaurant –, um mir meine erste Kamera zu leisten“, erinnert sich Fallon. „Dann sah ich ‚Blow-Up‘, den Kultfilm der Sechzigerjahre mit David Hemmings über das Lebens eines Modefotografen, was mich zu meinem nächsten strategischen Ziel führte: Ich räumte Werkzeuge und Rasenmäher aus dem Schuppen meines Vaters und richtete mir eine Dunkelkammer ein.“

Auf der Universität schoss Fallon lieber Portraits und Bilder von Bands, anstatt Pflichtaufsätze über Bill Brandt zu schreiben: „Den Kurs habe ich zwar zu Ende gemacht, aber ich konnte es kaum erwarten, mein erstes Praktikum bei einem Modefotografen zu anzutreten.“

Fallons erste Liebäugelei mit dem quadratischen Format war mit einer Rolleiflex  – bis er sich hoffnungslos in seine Hasselblad 503 CW verliebte – die Mittelformatkamera, die er fünfzehn Jahre später immer noch benutzt.

Fallon gibt zu, dass er eine Hasselblad nur selten auf einem Stativ verwendet. „Alle denken immer, dass das Fotografieren im Mittelformat ein sehr klinischer Vorgang ist, der ausschließlich im Studio und mit einem Stativ erfolgt. Ich kenne einige Hasselblad-Nutzer, die diese Kameras nur zu gern in Taschen aufbewahren und bei jedem Shooting akribische Sorgfalt an den Tag legen – ich hingegen halte meine Kamera in der Hand und knipse wie ein Reportagefotograf. Ich habe Rockbands in ihrem Tourbus begleitet und sogar schon an Felswänden gehangen, um an meine Motive zu kommen. Ich behandle meine Kamera überhaupt nicht wie ein furchtbar kostbares Stück.“

Obwohl mittlerweile Blue-Chip-Unternehmen wie Sainsbury’s, Kellogg’s, Ford und Nintendo zu seinem Kundenkreis gehören und sein Portfolio Aufnahmen für Magazine wie The Sunday Times Magazine, Rolling Stone, NME, GQ und FHM umfasst, erklärt er, dass seine privaten Projekte für seine Entwicklung als Portraitfotograf unverzichtbar sind.

Fallon fügt hinzu: „Ich arbeite pro Jahr gern an zwei großen privaten Projekten. Wenn man sich nur auf kommerzielle Arbeiten beschränkt, würde man sich wohl zu einem anderen Fotografentyp entwickeln. Man würde fortwährend einem engen Zeitplan in Abstimmung mit Artdirektoren und Stylisten in einem Studio folgen.  Das ist zwar in Ordnung, aber wenn man nicht aufpasst, verliert man schnell den fotografischen Aspekt und einen Blick für seinen Job und seine Ziele.

Es ist meiner Meinung nach durchaus hilfreich, wenn man potenziellen Kunden seine privaten Arbeiten zeigt – auf diese Weise verstehen diese besser, wer man wirklich ist. Bei Auftragsarbeiten ist dies weniger möglich.“

Egal ob Privat- oder Auftragsshooting – eine gründliche Vorabrecherche ist unerlässlich.  „Ich informiere mich immer, so gut es geht, über die Person, die ich fotografieren soll – entweder im Vorfeld oder mithilfe eines Gesprächs während der Vorbereitung des Shootings.“

„Die Leute sollen einfach über irgendetwas reden. Sie sollen sich wohlfühlen. Wenn ich meine Ausrüstung aufbaue, beobachte ich sie und schaue, wie sie stehen, sich anlehnen oder sitzen. Es ist wohl so eine Art psychologische Profilerstellung.“

„Doch das ist ein weiterer Grund, warum ich die Arbeit mit einer Hasselblad so liebe … es gibt keine Barriere! Ich halte nicht die Kamera vors Auge, sondern schaue nach unten – und dadurch kann ich leichter mit dem Motiv reden und eine Verbindung zu ihm oder ihr aufbauen.“

Seit acht Jahren arbeitet Fallon mit seinem CFV 16 – bei einem privaten Projekt in Schottland nutzte er jedoch vor Kurzem die Gelegenheit, das digitale Rückteil CFV-50c zu testen.

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„Ich arbeite derzeit an einer Serie zum Thema ‚Industrie in Großbritannien‘“,  erklärt er. „Ich mache Aufnahmen in Mikrobrauereien und bei Optikherstellern – und fotografiere Kontrabassbauer und Schaukelpferdfabrikanten. Ich liebe altes Handwerk.“

Das Projekt mit dem CFV-50c führte ihn auch zu einer siebentägigen Reise zu Whisky-Brennereien in Schottland – im Geländewagen und mit acht großen Zubehörtaschen im Gepäck. Er schwärmt: „Das war eine fantastische Erfahrung, die mir die Augen geöffnet hat. Einige dieser Leute arbeiten seit 45 Jahren in Whisky-Brennereien – genau wie Ihre Vorfahren seit Generationen.“

„Ich habe in sehr dunklen Lagerhäusern fotografiert, meistens mit nur zwei Lichtern und ohne Stativ. Was mir an dem neuen Rückteil am besten gefällt, sind die Vergrößerungsfunktion und der ausgezeichnete Bildschirm – viel besser als bei meinem treuen CFV16.

Der Fokus ließ sich wirklich leicht überprüfen – wodurch ich mich getraut habe, die Blende etwas weiter zu öffnen. Statt mit etwa f8 oder f11 an meiner Blad habe ich vielleicht mit 5,6 gearbeitet – das allein ermöglichte mir schon zwei zusätzliche Lichtstufen. Ich muss nicht mit ISO 1600 fotografieren.

Wenn man an einem grauen Tag ein Fußballspiel fotografiert, haben hohe ISO-Werte natürlich ihren Sinn, aber ich, der ja eher im Portraitbereich zu Hause ist, arbeite meistens mit 1/125 s. Ich könnte die Belichtungszeit sogar auf 1/30 s heruntersetzen und würde immer noch keine Probleme bekommen. Die meisten Aufnahmen meiner Whisky-Reise sind mit ISO 400 entstanden – und die eine zusätzliche Stufe war für mich völlig ausreichend.

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Ich bin einfach von Hasselblad-Objektiven begeistert – sie haben etwas ganz Besonderes an sich. Ich benutze hauptsächlich 40 und 50 mm und die Bildecken sind nie verzeichnet.“

Er fügt hinzu: „Wenn ich ein digitales Rückteil verwende, muss es sich einfach und schnell bedienen und reinigen lassen und rauschfrei arbeiten. Darüber hinaus muss es große Dateien erstellen, soll nicht abstürzen und muss zuverlässig sein – all das sehe ich beim CFV-50c erfüllt. Ich brauche einfach nicht viel Schnickschnack bei einer Kamera.  ISO-Werte bis 6400 sind für viele Benutzer sicher eine tolle Sache, doch für meine Arbeit spielt das kaum eine Rolle.

Das größere LCD-Display mit seiner höheren Auflösung war einfach spitze, so als ob hinten an der Kamera eine Polaroid sitzen würde – ich wusste sofort, dass die Aufnahmen genau meinen Wünschen entsprachen. Die Benutzung dieser CFV-Rückteile ist wirklich intuitiv – und es ist eine große Hilfe, wenn man bei längeren Verschlusszeiten ohne Stativ arbeitet.“

Fallon, der bereits die Gossip-Sängerin Beth Ditto nackt auf einem Bett aus Gänseblümchen (in Anlehnung an ein berühmtes Foto der The Mamas and the Papas-Sängerin Cass Elliot) in einem Covent Garden-Studio mit seiner 503CW und einem 50-mm-Objektiv ablichtete (drei Stunden Aufbau und zwölf Minuten Shooting), plant aktuell das nächste Hasselblad-Shooting mit ein paar Autoschlossern bei Bristol Cars – dem Hersteller handgefertigter Luxuswagen.

Er sagt: „Für meine künftigen Aufnahmen werde ich ein CFV-50c verwenden. Gut zu wissen, dass Hasselblad diese Rückteile für Fans des traditionellen V-Systems, wie ich einer bin, immer noch herstellt. Meine 503 ist ein so wunderbares Gerät und ich benutze stets die Kurbel – das ist für mich ein wichtiger Teil des Aufnahmevorgangs.“

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www.andyfallon.co.uk

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