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Die Vergangenheit im scanner

2016-03-02  Morgan Fisher ist ein renommierter britischer Musiker. Er spielte bei Mott the Hoople und Queen (auf ihrer Europatournee 1982).

Doch er ist ebenfalls ein versierter Vertreter der abstrakten Fotografie. Er hat eine einzigartige Lichtmaltechnik entwickelt, die durch nicht-figurative Kunstwerke von Pionieren wie Man Ray und Moholy-Nagy inspiriert wurde. Morgan Fisher lebt seit 1985 in Japan und wurde bereits im Magazin „VICTOR“ vorgestellt. Hier verrät er die faszinierende Geschichte einer 70 Jahre alten Bilderserie, die ursprünglich 1946 von Derrick Woollacott aufgenommen wurde, einem 22-jährigen Fotografen bei der Royal Air Force. Unter Mithilfe eines Freundes und eines Hasselblad Flextight X5-Scanners ist es Morgan Fisher gelungen, diese Aufnahmen wieder zum Leben zu erwecken.

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Er berichtet: „Es war ein Gefühl wie beim Ausgraben eines Schatzes. Ein Facebook-Freund verlinkte mich mit einer Facebook-Freundin. Sie hatte gerade ein paar Fotos hochgeladen, die ihr Vater im Frühjahr 1946 im Militärdienst in Japan gemacht hatte. Derrick Woollacott war ein junger Fotograf bei der englischen Luftwaffe (RAF). Da einige seiner Bilder nur Monate nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima entstanden waren, bereitete ich mich innerlich auf einen tragischen Anblick vor. Als ich die Fotos dann erblickte, war ich völlig baff ob ihrer Intensität und ganz eigenen Schönheit. Es waren Aufnahmen von lächelnden japanischen Landbewohnern, die harte Lebensumstände hatten erfahren müssen und nun damit befasst waren, ihre Existenz als Bauern, Fischer, Lehrer, Musiker und Eltern wiederaufzubauen. Dieser talentierte junge Mann, der unter widrigsten Bedingungen, mit knapper Freizeit und noch weniger Filmmaterial im Einsatz war, und dem für jede Aufnahme meist nur ein einziger Versuch vergönnt war, hat zahlreiche Fotos kunstvoll komponiert und exakt belichtet. Damit zählt er für mich zu den besten Kriegsfotografen – vielleicht sogar zu den besten Outdoor-Fotografen – seiner Zeit.“

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Morgan Fisher fährt fort: „Abgesehen von drei Bildern, die während seiner Stationierung bei einem nationalen japanischen Zeitungsfotowettbewerb die ersten drei Plätze belegt hatten, war keines dieser Werke zuvor veröffentlicht worden. Mir war ohne jeden Zweifel klar, dass möglichst viele Menschen in den Genuss dieser Fotos kommen sollten. Valerie Neale, Derrick Woollacotts Tochter, hatte eine 100-seitige PDF-Datei erstellt. Diese teilte ich sofort mit möglichst vielen anderen, um das Vorhaben umsetzen zu können. Die Datei enthält etwa 50 der besten Bilder von Woollacott. Außerdem wird berichtet, was Valerie Neales mittlerweile verstorbener Vater während seines einjährigen Aufenthalts in Südostasien erlebte.“

„Fast jeder, dem ich die Sammlung vorgelegt habe – erstrangige Fotoagenturen, Galeriekuratoren, Fotografen usw. – zeigten dieselbe Reaktion wie ich auf den intensiven emotionalen Inhalt und den hohen fotografischen Standard dieser Arbeiten.

Meine Freunde bei Hasselblad Japan waren hellauf begeistert und boten mir sofort den weltweit führenden Flextight X5-Scanner an, um die fast 70 Jahre alten 6 x 6-cm-Negative mit der aktuell bestmöglichen Qualität scannen zu können.“

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Morgan Fisher konnte seinen Freund, den amerikanischen Fotojournalisten und Fotohistoriker Torin Boyd, mit ins Boot holen. Die beiden arbeiteten einen ganzen Monat lang unermüdlich, um das Projekt zu vollenden.

Morgan Fisher schwärmt: „Wir hatten die Vergangenheit im Scanner.“ Die einzelnen Negative waren noch in bemerkenswert gutem Zustand, trotz einiger Kratzer, Abblätterungen und verblichener Stellen.

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Jede gescannte Datei mit etwa 7500 x 7500 Pixeln war fast 200 MB groß.

Nach einer sorgfältigen digitalen Reinigung, die pro Bild 1-2 h in Anspruch nahm, führte Torin Boyd äußerst dezente Tonwertkorrekturen, ein Abwedeln und Nachbelichten sowie eine Anpassung von Gesamtkontrast und Intensität aus, um die Schwarz-Weiß-Mittelformataufnahmen für eine optimale Ausgabequalität beim Tintenstrahldruck auf Fine Art-Archivpapier vorzubereiten.

Morgan Fisher: „Wir waren beide erstaunt über die vielen Details, die der X5-Scanner sichtbar machte. Beim starken Hereinzoomen in die Dateien war sogar das Filmkorn erkennbar, bevor die Pixelebene erreicht wurde. Eine außergewöhnliche Qualität!“

Torin Boyd fährt fort: „Im Laufe der Jahre habe ich eine Reihe von Filmscannern verwendet. Keiner von ihnen konnte dem Hasselblad Flextight X5 auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Die Geschwindigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Qualität dieses Scanners ist unerreicht. Die Details bei Filmkorn, in den Lichtern und Tiefen haben mich enorm beeindruckt: Die knapp 70 Jahre alten Aufnahmen wurden regelrecht wachgeküsst.“

Der Druck verlief schnell und reibungslos. Es waren nur sehr wenige weitere Anpassungen erforderlich. Dank der ausgezeichneten Kompositionen, die Woollacott trotz des schwer einsehbaren Suchers seiner herkömmlichen zweiäugigen Spiegelreflexkamera geschaffen hatte, musste kein Bildbeschnitt vorgenommen werden.

Morgan Fisher schließt mit folgenden Worten: „Als zentrales Glied in dieser Kette von Ereignissen hat der Flextight X5-Scanner diesen seltenen und klassischen Aufnahmen in mehr als einer Hinsicht neues Leben eingehaucht.“

 

derrickwoollacott.com

 

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Exposure time
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ISO
Exposure mode
Auto exposure Manual exposure Auto bracket
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