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Ian Lawson – Jenseits des Tweed

2016-03-25 Den Lebensunterhalt mit Landschaftsfotografie zu bestreiten, war schon immer eine besondere Herausforderung. Der Hasselblad-Fotograf Ian Lawson konnte sich diesen Traum mit seinen beeindruckenden Ausstellungen sowie dem Verkauf seiner Aufnahmen und Sammelbildbände erfüllen.

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_015 © Ian Lawson

Die Besucher der imposanten Ausstellung „A Celebration of Harris Tweed“, die im Rheged Centre in Penrith (Cumbria) stattfindet, zeigen sich beeindruckt von der atemberaubenden Schönheit seiner Aufnahmen und der gewaltigen Größe einiger seiner Fotos. Mit ihrer unglaublichen Detailgenauigkeit zeugen sie von den meisterlichen Fähigkeiten der Hasselblad-Kameras, mit denen Ian Lawson seit seinem 21. Lebensjahr – den zarten Anfängen seiner professionellen Fotokarriere – gearbeitet hat.

„Damals war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich stärker meiner Fotografie widmen wollte. Doch dazu musste ich mein Kamerasystem aktualisieren“, erinnert sich der 59-jährige Fotograf. „Also nahm mich mein Vater mit nach Brighton und wir schauten uns dort eine 500C an. Ein Country- und Western-Sänger, der in seiner Freizeit auf Hochzeiten fotografierte, wollte diese Kamera verkaufen. Vermutlich hatte sie damals bereits 15 bis 20 Jahre auf dem Buckel gehabt. Doch ich war begeistert und bin seitdem diesem System treu geblieben.

Ian_Lawson_From_the_Land_Hasselblad_012© Ian Lawson

„2008 bemerkte ich, dass die H3-Serie das Niveau von analogem Film erreicht hatte. Also habe ich mich durchgerungen, mich in digitale Sphären zu begeben. Danach habe ich mit einer H5D-50c fotografiert, die wahrhaftig ein kleines Wunderwerk darstellt. Höhere ISO-Werte zu verwenden und trotzdem hervorragende Ergebnisse zu erzielen, erlauben es mir unter lichttechnisch viel anspruchsvolleren Bedingungen zu arbeiten. Somit konnte ich noch flexibler agieren.“

Ian_Lawson_From_the_Land_Hasselblad_006© Ian Lawson

Bei den Optiken bevorzugt Ian Lawson kurze Teleobjektive. Die Mehrzahl seiner Arbeiten sind mit einem 100- und 120-mm-Makroobjektiv aufgenommen. „Vermutlich nicht die augenscheinlichste Wahl“, so Ian Lawson. „Doch ich mag ihre Perspektive. Die Detailtreue ist unglaublich. Sie liegt weit über dem, was mit einem kleineren System machbar ist. In den Dateien meiner Harris Tweed-Aufnahmen lässt sich beispielsweise die genaue Gewebetextur bis ins kleinste Detail ergründen. Für die Ausstellung im Rheged Centre habe ich einige Meerespanoramen aufgenommen. Sie eröffnen diese Ausstellung und wurden auf eine Breite von 3,4 m vergrößert. Besucher können die Fotos bis in kleinste Nuancen hinein erforschen. Eine wirklich außerordentliche Erfahrung.“

Erste Schritte

Wie schwer es ist, sich mit der Landschaftsfotografie seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist hinlänglich bekannt. Ian Lawson brauchte dreißig Jahre, um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Nicht, dass er die Zeit davor nicht genossen und für sich zu nutzen verstanden hätte: Ian Lawson gehört zu den wenigen glücklichen Menschen, die bereits im zarten Alter von 15 Jahren wissen, was sie einmal werden wollen. Die Fotografie hatte ihn schon immer in ihren Bann gezogen. Seinen Fertigkeiten und Zielen wusste er sich stets auf seine ganz eigene Art und Weise sowie zur rechten Zeit zu nähern.

Ian_Lawson_From_the_Land_Hasselblad_015© Ian Lawson

„So lange ich denken kann, war ich draußen auf dem Land und habe Landschaftsaufnahmen gemacht“, erklärt er. „Das war schon immer meine Leidenschaft. Nach meinem Abschluss an der Manchester Polytechnic, das ich mit einem BA Hons für Fine Art-Fotografie abschloss, bin ich einfach dabei geblieben. Ausgezahlt hat sich das für mich nicht. Um mich finanziell über Wasser zu halten, habe ich eine Nische in der Architekturfotografie besetzt. In diesem Bereich war ich 25 Jahre freiberuflich unterwegs und es hat mir Spaß gemacht.

„Irgendwann im Leben kommt jedoch der Punkt, bei mir war es mit 50 soweit, wo man sich fragt, ob man seine Träume nur träumen oder diese auch leben will. Also habe ich darüber nachgedacht, ob ich wirklich gewillt bin, auf meine regelmäßigen Einnahmen zu verzichten, um mich mit Fine Art auf wirtschaftlich unsicherem Terrain zu bewegen. Am Ende bewogen mich ganz pragmatische Gründe zu diesem gewagten Schritt. Zwischen meinen bezahlten Aufträgen hatte ich mich immer wieder meinen persönlichen Projekten gewidmet. Wegen der mangelnden Flexibilität gestaltete sich dies jedoch zunehmend schwieriger.“

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_007© Ian Lawson

Die zunehmende Digitalisierung und die Entwicklung des Online-Markts erwiesen sich dafür als entscheidend. Doch die Sache hatte auch einen Haken. Je mehr er sich mit seinen Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit stellte, desto größer wurde auch die Konkurrenz. Auf der anderen Seite öffneten sich durch diese steigende öffentliche Präsenz wiederum viele internationale Geschäftstüren. Das Schaufenster – eine gut gemachte Website – bietet weitaus höhere Chancen für einen Austausch sowie dafür, sich einen guten Ruf zu erarbeiten und vom e-Commerce zu profitieren.

Ian Lawson konnte somit nicht nur auf herkömmliche Weise traditionelle fotografische Kunstdrucke verkaufen, sondern auch erlesene Sammelbände in Eigenproduktion veröffentlichen. „Konventionelle Produkte wie einen in großer Stückzahl produzierten Bildband zu veröffentlichen, stand für mich außer Frage“, so Ian Lawson. „Mir schwebte ein Konzept vor, mit dem sich Qualität und Exklusivität verbinden lassen. Daher habe ich die Produktion in Eigenregie durchgeführt und die beste Druckerei angeheuert, die ich finden konnte. Am Ende hielt ich ein Einzelexemplar von unschätzbarem Wert in den Händen. In dieses Meisterstück können Fine Art-Liebhaber investieren.”

Ein Geschäft entsteht

Mitten im umfangreichen Harris Tweed-Projekt entschied sich Ian Lawson für einen Vollzeitjob im Fine Art-Bereich und ihm wurde die Zeit, die Energie und die Chance gewährt, alles fertigzustellen. Gleich zu Beginn dieses zufälligen Abenteuers nahm er eine falsche Abzweigung und stieß eine faszinierende und unerwartete neue Tür auf.

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_011© Ian Lawson

„Ursprünglich wollte ich von meinem Zuhause im Lake District zur Isle of Lewis aufbrechen. Schließlich war dies der einzige Ort in Großbritannien, an dem ich Zeuge der Sonnenfinsternis werden konnte“, so Ian Lawson. „Also setzte ich mich in meinen treuen alten VW-Bus und fuhr los: rund 800 km und eine etwas heikle Fährüberfahrt lagen vor mir.

Wie durch ein Wunder klarte sich der Himmel gegen 5.30 Uhr auf und bescherte mir einen atemberaubenden Blick auf das faszinierende Spektakel im All. Also beschloss ich, noch ein paar mehr Aufnahmen zu machen. Langsam begann das Licht zurückzukehren und ich erblickte das silbernste aller Meere. Das sich unnachahmlich in den Wolken brechende Licht setzte das Wasser spektakulär in Szene. Über allem lag eine tiefe Stille. Lediglich das Tuckern eines kleinen, vielleicht eine englische Meile weit entfernten, Fischerboots war zu hören. Also sprang ich in meinen VW-Bus und fuhr zur nächsten Bucht, um das Boot zu suchen.

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_013© Ian Lawson

Das habe ich zwar nicht gefunden, doch bei meiner Suche nach der Landspitze gelangte ich auf einen schmalen Pfad. Beim Aussteigen vernahm ich aus einem nahegelegenen Gebäude das Klappern eines Webstuhls. Als ich nachschaute, saßen dort eine Mutter und ihre Tochter, die auf traditionelle Art und Weise Harris Tweed webten. Die Zeitlosigkeit dieser Szenerie ließ mich nicht unberührt. Im silberfarbenen Tweed spiegelte sich das schimmernde Meer nahezu exakt wider.”

Beim Gespräch mit den beiden erfuhr Ian Lawson mehr über das Weben und den typischen Harris Tweed. Dieser darf sich nur in einem geografisch eng umrissenen Gebiet so nennen. Viele Schafzüchter hatten sich auf diese lange unveränderte Tradition spezialisiert. In Nebengebäuden stehen unzählige Webstühle. Doch auch hier hinterlässt die neue Zeit ihre Spuren. Auch wenn dieser Stoff noch immer lokal produziert wird, modernisierte sich die Branche, um ein bequemeres Arbeiten zu ermöglichen. Viele der pittoresken, aber ineffizienten Arbeitsplätze wurden aufgegeben. Ein Brauchtum war an seinem Endpunkt angelangt. Ian Lawson erkannte die Chance, die letzten Atemzüge dieser Tradition noch einmal fotografisch einzufangen.

Das Harris Tweed-Projekt verschlang acht Schaffensjahre. Das daraus entstandene Buch umfasst 432 beeindruckende Seiten.

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_001

Ian Lawsons zweites Buch war seinem Umzug in den Lake District geschuldet. Auch hier bestimmte ein glücklicher Zufall über den weiteren Verlauf. „Bei meiner Ankunft wähnte ich mich in Besitz einer großen Menge an Material für ein neues Projekt“, so Ian Lawson. „Doch schon bald stellte sich heraus, dass es viel zu undifferenziert war und ich musste noch einmal ganz von vorn beginnen. Als ich eines Tages mit meinen beiden Schäferhunden in der Natur unterwegs war, gelangten wir zu einer alten Packeselbrücke. Plötzlich tauchten dort drei Herdwick-Schafe auf. Als sie meine beiden Hunde sahen, reagierten sie instinktmäßig auf sie. Kurz darauf erschien auch der Schäfer. Er fragte mich, ob ich ein Foto gemacht hätte und ob er es sehen dürfe. Ich bejahte und eine Woche später händigte ich ihm eine Aufnahme aus.

Alles kam ins Rollen. Ich fragte bei ihm an, ob ich ihn begleiten dürfe. Darüber freute er sich und ich hatte mein Projekt gefunden.“ Das von mir produzierte Buch „Herdwick: A Portrait of Lakeland“ unterscheidet sich gravierend von anderen Büchern über den Lake District – ein langes Bücherleben inklusive. Das Buch war ebenfalls der zentrale Punkt meiner ersten Ausstellung im Rheged Centre im letzten Jahr. Sie war eine der erfolgreichsten, die dort jemals gezeigt wurden.”

Ian_Lawson_Herdwick_Hasselblad_004© Ian Lawson

Ian Lawson bleibt auch bei seinem aktuellen, bislang unveröffentlichten Projekt dem Schafthema treu. Mit seiner Kamera begleitet er Alison O’Neill aus den Yorkshire Dales bei ihren täglichen Verrichtungen auf dem Hof. Ausblick auf die Howgill Fells in der Grafschaft Cumbria inklusive. Erneut handelt es sich um eine sehr persönliche Geschichte. Sie hebt das Landschaftsthema auf eine völlig andere Ebene und beleuchtet den Menschen darin, was ein weitaus größeres Publikum ansprechen wird.

„Meine Bücher sollen voll ausgesuchter und begehrter Kunst sein. Das ist meine Philosophie“, so Ian Lawson. „Die Bände ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit dem Ort und seiner Bevölkerung. Ihr Leben, ihr Tun und ihre Verbindung zur Landschaft stehen im Mittelpunkt meiner fotografischen Tätigkeit. Die Menschen sind eng mit dem fotografischen Prozess verwoben und tragen so, wie alle große Kunst dies tun sollte, zum originalen, persönlichen und wünschenswerten Charakter meiner Arbeit bei.”

 

www.ianlawson.com 

Facebook: Ian Lawson Books

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