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Wie Nick-T den Traum vom Superfood verkauft

Der neue Hasselblad-Botschafter Nick Tresidder (besser unter seinem Spitznamen Nick-T bekannt) weiß, Essen als unwiderstehlich zu inszenieren. Wen wundert es da, dass er gern von der Verpackungs- und Verlagsbranche gebucht wird.

Gut gemachte Food-Fotografie lässt dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenlaufen. Geruch und Geschmack scheinen einem beim bloßen Anblick des Essens auf der Zunge zu liegen. Die Fotos verführen zum Kauf oder ermutigen einen wenigstens dazu, ein Rezept im Kochbuch auszuprobieren. Im Handumdrehen wird einem so eine kulinarische Illusion verkauft.

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Der in Neuseeland ansässige Fotograf Nick Tresidder ist ein absoluter Meister dieser Überzeugungskunst.

Seine Entwicklung in Richtung dieser besonderen Fotografie erfolgte ganz allmählich. So war er vier Jahre als Assistent tätig und bereiste für Redaktions- sowie Werbekunden die halbe Welt. „Als ich in London lebte, wollte ich eigentlich eine Zeitlang die Filmindustrie erobern“, erinnert er sich. „Doch die war zu dieser Zeit stark gewerkschaftlich organisiert und es war äußerst schwer, in ihr Fuß zu fassen. Also entschied ich mich stattdessen für die Fotografie und entwickelte mich zu einer Art Mädchen für alles. Im Laufe der Zeit zog es mich immer stärker zur Food-Fotografie. Ich koche und esse sehr gern. Für herausragende Aufnahmen ist ein gutes Motivverständnis schon mal die halbe Miete. Stillleben fotografiere ich bereits seit 25 Jahren. Kürzlich habe ich auch einige Videos produziert. Damit hat sich der Kreis für mich irgendwie geschlossen.“

Der Geschmack des Erfolgs
Die große Kunst der Food-Fotografie besteht darin, Aufnahmen anzufertigen, welche den präzisen Anforderungen eines bestimmten Kunden entsprechen – die natürlich von Auftrag zu Auftrag variieren.

„Die meisten meiner Aufnahmen mache ich für Kunden aus der Verpackungsindustrie“, so Nick Tresidder. „Diese Branche stellt extrem hohe Anforderungen an Beleuchtung und Komposition, die zum Verpackungsdesign passen müssen. Zudem arbeite ich für Bücher und Zeitschriften, was mir ein etwas entspannteres Arbeiten erlaubt.“

„Egal, was ich auch fotografiere, die Lebensmittel sollen heute so natürlich wie möglich wirken. Das gilt sogar für Werbekampagnen. Die meisten Kunden wünschen sich eine Tageslichtanmutung für ihre Produkte. Bei tatsächlichem Tageslicht verändern sich die Lichtverhältnisse im Laufe des Tages jedoch zu stark. Die Kunden möchten aber, dass alle Geschmacksvarianten ein einheitliches Erscheinungsbild aufweisen. Also verbringe ich viel Zeit damit, künstliches Licht natürlich aussehen zu lassen. Dazu messe ich jede Beleuchtung und protokolliere sie und die Kameraeinrichtung, damit ich bei einer möglichen Erweiterung des Produktspektrums die Situation nachstellen kann.

„Wir haben sogar alle Teller, Schüsseln, Tassen usw. im Studio durchnummeriert, um sie bei Bedarf wiederzufinden. Bei Verlagen bzw. Büchern genieße ich mehr Spielraum und tendiere dazu, natürliches Licht zu nutzen – ich arbeite in einem Tageslichtstudio. Doch wegen der Schattenbildung muss ich häufig ergänzend künstliches Licht einsetzen.“

Profis sind gefragt
Für einen Kunden in der Verpackungsbranche zu arbeiten, stellt technisch meist sehr hohe Ansprüche. Deshalb sind Profis wie Nick Tresidder sehr gefragt. „Kunden wollen beim millionenfachen Druck von Verpackungen für Frühstückszerealien kein Risiko eingehen“, konnte er feststellen. „Sie verstehen etwas von Qualität. Daher arbeite ich meist mit dem Mittelformat. Die Kamera meiner Wahl ist seit jeher eine Hasselblad.“

Nick Tresidder ist bereits als Assistent auf diesen erlesenen Kamerageschmack gekommen. Die meisten der von ihm bewunderten Fotografen verwendeten ausnahmslos Hasselblad. „Als ich selbst zu fotografieren begann, musste es unbedingt eine Hasselblad sein“, erinnert er sich. „Also habe ich ein Darlehen aufgenommen und mir eine 500CM sowie ein 80-mm-Objektiv gekauft. In mein V-System war ich regelrecht vernarrt und habe mir im Laufe der Jahre eine große Zahl an Kameragehäusen und Objektiven zugelegt. Als die Digitaltechnik Einzug in die Fotografie hielt und ich eine Zeitlang mit einem Imacon Multi-Shot-Rückteil mit 6 Megapixeln gearbeitet hatte, entschied ich mich für das H-System mit seinem modernen Funktionsumfang. Seitdem fotografiere ich mit 16-, 22-, 31- und 40-MP-Modellen. Heute verwende ich eine H4D-40 und plane bereits, mir schnellstmöglich eine H6D-50 anzuschaffen. Auf dieses Upgrade bin ich wahnsinnig gespannt.“

Was Objektive anbelangt, geht für Nick Tresidder nahezu nichts über sein HC 100 mm f/2.2, das sich im Dauereinsatz befindet. „Das ist mein sahnigstes Bread and Butter-Objektiv“, wie er es ausdrückt. „Das Bokeh ist geradezu unwiderstehlich. Daneben verwende ich auch das 80mm f/2.8-Objektiv mit dem HTS 1.5 Tilt/Shift-Adapter zur Fokuskontrolle und das 28mm f/4-Objektiv für weitwinkligere Aufnahmen.“

„Das 50-110mm f/3,5-4,5-Zoom nutze ich gern für Neukompositionen, ohne die Kamera zu bewegen. Meiner Ansicht nach ist es von geradezu grandioser Qualität.“

Unterstützer der fotografischen Community
Die Anfangsjahre der digitalen Fotografie waren wegen der technischen Begleitumstände eine ziemliche Herausforderung. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen, die ihre Anfangsschwierigkeiten im stillen Kämmerlein bezwangen, entschied sich Nick Tresidder dafür, selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Er richtete ein Forum für Hasselblad-Benutzer ein, um den Wissensaustausch zu fördern und sich gegenseitig zu unterstützen.

„Alles begann mit einer Yahoo-Gruppe im Jahr 2001, als alle Orientierung suchten“, hält Nick Tresidder Rückschau. „Wir haben damals mit wirklich merkwürdigen Kameragehäusen – wer erinnert sich noch an das Digiflex – und verzwickten SCSI-Adaptern gearbeitet. Zudem waren wir digitalen Fotografen noch mit großen Vorbehalten und Feindseligkeiten aus der Pre-press-Branche konfrontiert. Wir mussten uns helfen und uns gegenseitig erziehen. Meiner Erfahrung nach sind Menschen, die ihr Wissen mit anderen teilen und andere unterstützen, eher erfolgreich. Mir liegt daran, anderen Fotografen zu helfen, selbst wenn sie dadurch zu meiner Konkurrenz heranwachsen.“

Als in Neuseeland lebender Fotograf mag er sich vielleicht auch ein wenig isoliert gefühlt haben. Seine intensiven Beziehungen zu Fotografen aus aller Welt wird ihn der weltweiten fotografischen Community näher gerückt haben. „Neuseeland liegt von überall aus weit entfernt“, so Nick Tresidder. „Das Forum hat mir im Laufe der Jahre viele Freunde aus der ganzen Welt beschert. Diesen Menschen auf Reisen zu begegnen, ist stets aufs Neue eine wertvolle Erfahrung. In diesen wechselhaften Zeiten ist ein lebendiger Austausch zwischen Fotografen wichtiger denn je.“

Genau dieses Forum bescherte Nick Tresidder auch die Aufmerksamkeit von Hasselblad. Letztendlich ist es einer von vielen Gründen, warum er als offizieller Botschafter für das Unternehmen in Frage kam: eine Aufgabe, die er sehr ernst zu nehmen gedenkt.  „Das Wort offiziell ist dabei der Schlüssel“, so Nick Tresidder.

„Gefallen mir bestimmte Dinge, dann erzähle ich gern anderen davon. Egal, ob es sich um einen neuen Film, eine Website, ein gutes Restaurant oder um Kameras handelt. Die Leute, die mich kennen, wissen, dass sich durch diese neue Position an meiner ehrlichen Berichterstattung nichts ändern wird.

Mich freut es sehr, dass Hasselblad mich mit diesem Botschafter-Programm unterstützt. So kann ich noch mehr Menschen davon berichten, was mir an diesen Kameras so gut gefällt.

In den letzten Jahren mit den versierten Leuten von Hasselblad in direktem Austausch zu stehen, hat mich sehr glücklich gemacht. Diese neue Botschafter-Aufgabe wird uns hoffentlich noch stärker zusammenrücken lassen.“

Weitere Informationen:

www.nick-t.com
www.hasselbladdigitalforum.com

Kameramodell
Belichtungszeit
Blende
ISO
Belichtungsmodus
Automatische Belichtung Manuelle Belichtung Automatische Belichtungsreihe
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