Storytellers

Nicola Selby

Dancing Queen

„An der Überlegenheit des Mittelformats gibt es keine Zweifel. Der Betrachter nimmt die Aufnahmen mit ganz anderen Augen wahr. Hasselblad hat meine Fotografie auf ein gänzlich neues Niveau gehoben“. – Nicola Selby

Heute ist sie eine führende Tanzfotografin. Mit ihrer geliebten H4D-31 und einer Reihe von Broncolor-Leuchten strebt sie beständig nach Perfektion. Doch um diese Position zu erreichen, musste die aus Manchester stammende Nicola Selby zahlreiche Irrungen und Wirrungen überstehen, bei denen die meisten längst das Handtuch geworfen hätten.

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In ihrer Jugend war Nicola Selby eine begnadete Tänzerin und absolvierte ab dem Alter von 16 Jahren eine Vollzeit-Tanzausbildung. Doch schon bald musste sie den ersten Schicksalsschlag hinnehmen. „Ich war als Tänzerin für eine Cabaret-Truppe ausgewählt worden, die im Norden Englands auf Tour gehen sollte. Ich trat bei einer Vorstellung anlässlich des jährlichen Liverpooler Feuerwehrballs auf, doch bereits auf dem Heimweg mussten mich eben diese Feuerwehrleute aus einem verheerenden Autounfall retten.“

Nicola Selby erinnert sich: „Es war ein furchtbares Erlebnis. Alle fünf Insassen verloren das Bewusstsein und ich durchschlug sogar die Windschutzscheibe. Dabei wurde ich auf einen Baum geschleudert. Zum Glück trug ich einen großen schwarzen Mantel, dessen Kapuze mein Gesicht vor den Glassplittern schützte.“

„Doch eben jene Glassplitter verursachten schwere Verletzungen an einem Bein und am Rücken. Das war das vorzeitige Ende meiner Tanzkarriere.

Ich kämpfte mich noch humpelnd durch einige Auftritte, doch tief in meinem Herzen wusste ich, dass meine Laufbahn als Tänzerin passé war.“

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Nicola Selby sattelte um und erreichte einen Universitätsabschluss in Jura. „Ich erhielt einen Master-Abschluss und begann eine Ausbildung zur Rechtsanwältin. Doch die Juristerei langweilte mich dermaßen, dass ich ihr Lebewohl sagte.“

So stand ich im Alter von 26 Jahren ohne jegliche Perspektive da. In dieser Phase kam mir die Idee, mich mit Fotografie und Reisen zu beschäftigen.“

Doch schon wieder warf ihr das Schicksal riesige Felsbrocken in den Weg.

„Ich erkrankte an Meningitis. Als ich während meines Krankenhausaufenthalts prächtige Blumen bestaunte, reifte in mir der Entschluss, Fotografin zu werden und die Schönheit der Welt in Bildern wiederzugeben.

Nach meiner Entlassung sah ich einige Tanzaufnahmen, die mich zutiefst begeisterten. In diesem Moment fiel endgültig der Groschen. Ich fragte mich, warum ich diesen Weg nicht längst eingeschlagen hatte.“

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Nicola Selby sparte also an allen Ecken und Enden, bis sie das Geld für einen Flug nach New York und einen zweitägigen Kurs mit der erstklassigen Tanzfotografin Lois Greenfield zusammenhatte – einer damals 62 Jahre alten amerikanischen Fotokünstlerin, die für ihre außerordentliche Fähigkeit bekannt war, den menschlichen Körper in Bewegung abzubilden.

Nicola Selby erinnert sich wie folgt: „Lois Greenfield ist einmalig. Sie hat mich auf überwältigende Weise inspiriert. Sie riet mir, nicht mehr aus Sicht einer Tänzerin zu fotografieren. Ich sollte die Tanzperspektive ad acta legen und stattdessen in fotografischen Dimensionen denken. Diesen Umdenkprozess hat sie mir haarklein vermittelt. Ich hatte immer eine bestimmte Pose erwartet und dabei Bewegungsabläufe im Fluss wahrgenommen, anstatt sie im eingefrorenen Zustand zu sehen. Mit einem Wort: Ich drückte den Auslöser im falschen Moment. Ich lernte, Bewegungen in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und nicht als Choreographie wahrzunehmen. Ich musste Einzelbilder aus dem Gesamtfluss isolieren.“

Sie fügt hinzu: „Mittlerweile arbeite ich an der stetigen Perfektionierung dieser Kunst, indem ich die Tanzbewegung in dem Augenblick einfange, in dem sie am meisten Leben ausstrahlt und in dem Bewegungen am plastischsten wiedergegeben werden können.

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Es fließen besondere Energien bis in die Fingerspitzen – diese will ich sichtbar machen. Ich suche nach der Geometrie einer Pose, nach Muskelgruppen und den Formen, die für meine Bildgestaltung von Bedeutung sind. Bei den fotografierten Tänzerinnen oder Tänzern sollen keine Spannungspunkte zu sehen sein. Im Idealfall entsteht meine Aufnahme in einem Moment völliger Loslösung.

Tanzfotografie im Studio besitzt eine ganz andere Dynamik als typische traditionelle Studio-Portraitaufnahmen.

Nicola Selby erklärt: „Wir arbeiten mit Tänzern, die ihre Tanzenergie in bis zu vier Sunden langen Studio-Sessions aufbringen müssen. Ich verlange ihnen alles ab. Nach der obligatorischen Sicherheitsbelehrung, mit der auf alle Kabel usw. aufmerksam gemacht wird, müssen sich die Tänzer an das Ein- und Ausschalten der Studiobeleuchtung gewöhnen. Die Kamera ist alles andere als gutmütig. Alles, was nicht der perfekten Geometrie entspricht, wird gnadenlos entblößt. Selbst bei einer korrekten Belichtung und einer technisch einwandfreien Aufnahme ist das Bild dann unbrauchbar.

Meine Kompositionen sollen bereits im Moment der Aufnahme perfekt sein, ohne dass etwaige Makel im Zuge der Nachbearbeitung korrigiert werden müssen. Aus diesem Grund nutze ich eine H4D-31.“

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Bis vor etwa zwei Jahren arbeitete Nicola Selby mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. „Mein erklärtes Ziel war es stets, mit dem Hasselblad-Mittelformat zu fotografieren. Ursprünglich hatte ich vor, eine alte 500CM günstig zu erwerben und mit einem digitalen Rückteil zu bestücken. Doch dann erfuhr ich, dass DEFRA (das englische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten) einige Stipendien auslobte. Ich erstellte einen Businessplan, in dem ich den Tourismus in unserer Region ankurbeln wollte: Kunden aus der ganzen Welt sollten mein Studio und meine Tanzfotografie-Workshops buchen. Mein Vorschlag wurde auf lokaler Ebene abgelehnt, doch ich blieb unverzagt am Ball und stellte mein Vorhaben an höchster Stelle vor. Mit Erfolg! Ich erhielt genügend Zuschüsse, um mir die Kamera zu kaufen, von der ich schon immer geträumt hatte: eine H4D-31. Mit dem restlichen Geld erwarb ich Broncolor-Leuchten und einen iMac.“

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Sie fügt hinzu: „Mit meiner derzeitigen Ausrüstung bin ich sehr glücklich. An der Überlegenheit des Mittelformats gibt es keine Zweifel. Der Betrachter nimmt die Aufnahmen mit ganz anderen Augen wahr. Auf diesem hart umkämpften Markt steigert das Mittelformat meine professionelle Glaubwürdigkeit nachhaltig.

Die H4D-31 hat meine fotografische Tätigkeit auf ein gänzlich neues Niveau gehoben. Wenn ich meine Aufnahmen von Tänzern betrachte, sehe ich sofort einen deutlichen Unterschied. Zudem ist die geniale True Focus-Funktion eine enorme Erleichterung.

Nicola Selby war Gastrednerin auf dem kürzlich abgehaltenen shootLDN-Event. Nach ihrem Vortrag vor knapp 100 Teilnehmern führte sie ein Live-Shooting mit einem professionellen Tänzer durch.

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Ihr Betätigungsfeld entwickelt sich kontinuierlich weiter. „Ich möchte dem Tanz treu bleiben, aber auch im Randbereich der Modefotografie tätig sein. Einige meiner Aufnahmen entstehen nun mit einem Model und einem professionellen Tänzer.“

Sie fügt hinzu: „Für mich haben sich Türen geöffnet und andere haben mir sehr viel Mut gemacht. Es ist ein wunderbares Gefühl, endlich eine Tätigkeit auszuüben, mit der ich mich voll und ganz identifizieren kann.“

www.nicolaselby.com

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