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Ghislain Simard

Wie sich eine Libelle „einfrieren“ lässt, wenn bei der Aufnahme mit einer H5D-60 mit 1/111000 s geblitzt wird.

Haben Sie Rimski-Korsakows „Hummelflug“ im Ohr? Ein schnelles Stück. Genau genommen sehr schnell – und selbst für die talentiertesten professionellen Pianisten eine wahre Herausforderung.

Für den mehrfach preisgekrönten Fotografen Ghislain Simard geht es allerdings nicht um surrende Hummeln, sondern um fliegende Schmetterlinge und Libellen.

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Wenn Sie bereits der Meinung sind, dass sich die Bewegungen von Schmetterlingen extrem schwierig einfrieren lassen, dann nehmen Sie doch mal eine Libelle ins Visier. Nur ein äußerst geduldiger und von Insekten besessener Meisterfotograf mit einer Weltklasse-Mittelformatkamera (einer H5D-60 und einer Blitzbelichtungsdauer von 1/111000 s sowie einem Spezialwerkzeug, das dem Know-how von Hasselblad-Produktionsexperten zu verdanken ist), kann die Hoffnung hegen, diese Herausforderung auf höchstem Niveau zu bewältigen.

Der Name dieses Meisterfotografen lautet Ghislain Simard. Seit dem zarten Alter von 10 Jahren macht er Aufnahmen von Schmetterlingen. Die Leidenschaft für Insekten erbte er von seinem Vater.

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In einem Interview für Hasselblad verrät Ghislain Simard: „Es hat mich stets überwältigt, wie solch zerbrechliche Wesen – selbst im Wind – so einfach und anmutig fliegen können. Sie wirken auf mich wie fliegende Blumen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, ihre Schönheit im Flug darzustellen.

Zunächst fotografierte ich sie beim Landeanflug auf Blumen. Doch rasch erkannte ich, dass etwas fehlte.“

Als Ghislain Simard das Werk des renommierten englischen Fotografen Stephen Dalton entdeckte – ein anerkannter Experte im Bereich der Hochgeschwindigkeitsfotografie – wurde ihm klar, dass sein ehrgeiziges Vorhaben, Insekten mitten im Flug abzulichten, tatsächlich erreichbar war.

„Beim Wechsel von Schmetterlingen zu Libellen sah ich mich vor eine Vielzahl von Problemen gestellt. Libellen reagieren empfindlich auf Annäherungen und haben eine große Fluchtdistanz. Oft fliegen sie über Wasser. Daher ist es kompliziert, in ihre Nähe zu gelangen. Oft nutze ich mein HC 300-Teleobjektiv. Zusätzlich verwende ich Zubehör, dass speziell zum Einfrieren extrem schneller Bewegungen entwickelt wurde. Die erste Herausforderung besteht darin, den Auslöser in der richtigen Millisekunde zu betätigen.“

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„Um dieses Problem zu umgehen, habe ich ein elektronisches System entwickelt, das das Auslösen für mich übernimmt. In Kombination mit einer Lichtschranke, die das Subjekt erfasst, während es sich im Schärfebereich befindet, löst dieses System die Kamera im richtigen Moment aus. Für eine höhere Präzision arbeitet meine neueste Lichtschranke mit Lasertechnologie. Bei der traditionellen Fotografie scheint sich der Verschluss nur sehr kurz zu öffnen. Diese kurze Zeitspanne fällt jedoch bereits als massive Verzögerung ins Gewicht, wenn sich das Subjekt pfeilschnell bewegt. Dies beeinträchtigt die Genauigkeit, die von einem automatischen Auslösesystem erwartet wird. Der Zentralverschluss der HC-Objektive ist sehr schnell und trägt dazu bei, die Verzögerungsauswirkungen durch die Verschlussöffnungsdauer zu minimieren. Bei den schnellsten Aufnahmen war es dank der hervorragenden Unterstützung durch Hasselblad möglich, eine effektive Blitzauslösung direkt über den Sensor der Mittelformatkamera zu bewerkstelligen – ganz ohne mechanischen Verschluss. Damit wurde eine höhere Geschwindigkeit als bei jeder digitalen Vollformat-Spiegelreflexkamera erreicht.“

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Ghislain Simard fügt hinzu: „Eine weitere Herausforderung ist die Vermeidung von Bewegungsunschärfen, die durch die Geschwindigkeit des Subjekts entstehen. Das Einfrieren extrem schneller Bewegungen ist umso anspruchsvoller, wenn eine Szene aus nächster Nähe formatfüllend dargestellt werden soll. Dabei bewegt sich das Insekt mit einem einzigen Flügelschlag quer durch das gesamte Bild. Dieses Problem wird durch elektronische Blitzsysteme mit extrem kurzer Abbrenndauer gelöst. Damit lassen sich selbst schnellste Bewegungen einfrieren.“

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Als Ghislain Simard seinem Mentor, Stephen Dalton, 2015 seine neuesten Bilder zeigte, reagierte der Guru der Hochgeschwindigkeitsfotografie mit den folgenden Worten: „Jetzt bist Du der Meister!“

Kommentar von Ghislain Simard: „Stephen Dalton ist und bleibt natürlich immer der wahre Meister, aber ich bin sehr stolz auf dieses Kompliment. Das Wichtigste, was ich von ihm gelernt habe, sind Aspekte des Lichts, z.B. wie sich Sonnenlicht reproduzieren lässt und wie die künstliche Lichtwirkung von Hochgeschwindigkeitsblitzen kaschiert werden kann.“

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