Storytellers

Andrew Stanney

Reise in die Vergangenheit

Als Andrew Stanney auf einen stillgelegten Fußgängertunnel in einem Londoner U-Bahnhof stieß, entdeckte an den Wänden zahlreiche Schichten abblätternder Plakate. Dieses beeindruckende Setting inspirierte ihn zu einem außergewöhnlichen Projekt.

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Nicht vielen von uns ist es vergönnt, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Als Andrew Stanney einen seit Jahrzehnten verlassenen Fußgängertunnel unter dem Londoner U-Bahnhof Euston Station entdeckte, hatte er das Gefühl, ein halbes Jahrhundert in der Zeit zurückversetzt worden zu sein.

„2009 zog ich nach London. Damals wurde das hauptstädtische U-Bahn-System im großen Maßstab modernisiert, um es für die Olympischen Spiele 2012 zu rüsten.“ „Alles war im Umbruch und die Werbeflächen an den Tunnelwänden wurden einfach sich selbst überlassen. Sie verrotteten und ließen schichtenweiße ältere Plakate zu Tage treten. Der krasse Gegensatz zwischen der modernen internationalen Metropole und diesem halbverfallenen Ort sprach mich sofort an und ließ meine Gedanken nicht mehr los.

„Kurz darauf entdeckte ich einen Fußgängertunnel unter dem U-Bahnhof Euston Station, der in den 1960ern im Zuge von Sanierungsarbeiten geschlossen worden war. Man muss sich diesen Ort als erstaunliche Zeitkapsel vorstellen, in der Hunderte von Plakaten die Jahrzehnte überdauert hatten. Schicht für Schicht bildeten sie ein Panorama von der Vergangenheit in die Gegenwart: alte Filmplakate, großformatige Aushänge für Londoner Theater und Galerien sowie das Originalposter von Hitchcocks Film Psycho. Ich hätte es nie für möglich gehalten, solche Zeitzeugen in diesem vergessenen Gewölbe vorzufinden. Der Gedanke, dass ein paar Meter darüber tagtäglich Tausende von Menschen hin- und herlaufen, hat etwas Verwunschenes und Magisches.“

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Mit dem geschulten Blick des Künstlers betrachtete Andrew Stanney die maroden Poster. Er erkannte unmittelbar, dass er für sein Projekt eine Ausrüstung von höchster optischer Güte brauchen würde – eine Ausrüstung, die alle grafischen Details und Oberflächenstrukturen des Zerfalls realistisch reproduzieren kann, um die besondere Stimmung zu transportieren und seiner künstlerischen Vision gerecht zu werden. Andrew Stanney entschied sich folgerichtig für eine Mittelformatlösung und wandte sich an Hasselblad, um Unterstützung für das geplante Projekt zu erhalten. Hasselblad bot ihm leihweise die Kameragehäuse H4D-50 sowie mehrere Weitwinkelobjektive und Makrooptiken an.

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„Meine nächste Herausforderung bestand darin, von London Underground eine Zutrittsgenehmigung und eine Veröffentlichungserlaubnis für die Aufnahmen einzuholen“, berichtet Andrew Stanney. „Das war beileibe keine einfache Aufgabe, denn als erste Reaktion wurde mir mitgeteilt, dass es diesen Ort überhaupt nicht gab! Nachdem ich schließlich grünes Licht erhalten hatte, benötigte ich zwei Monate für die Umsetzung des Projekts mit dem Titel ‚In Passing‘. Ich suchte den Tunnel so oft auf, wie es meine damalige Teilzeitstelle im Gesundheitswesen zuließ.“

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Mittlerweile ist das Interesse an unterirdischen Welten enorm. Andrew Stanneys Fotos waren nicht nur ihrer Zeit voraus, sondern sein Projekt katapultierte ihn sogar in die Auswahlliste zu den Hasselblad Masters 2011. Aufnahmen aus der Serie wurden außerdem an erstrangigen Londoner Ausstellungsorten gezeigt, wie z.B. im Gridiron Building sowie in mehreren renommierten Kunstgalerien. All diese Erfolge waren Meilensteine auf Andrew Stanneys Weg zu einer vielversprechenden Karriere als Fine Art-Fotograf.

www.andrewstanney.com

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